Voices of Waldorf Elders ist ein Oral-History-Podcast, der die Geschichten, Erfahrungen und Erkenntnisse von Menschen erzählt, welche die Waldorfbewegung über viele Jahre hinweg geprägt und begleitet haben. In persönlichen Gesprächen über ihren Lebensweg und ihre Arbeit eröffnet die von Roel op ’t Ende moderierte Reihe Einblicke in die Waldorfbewegung und möchte insbesondere jüngeren und zukünftigen Generationen der Waldorfbewegung Orientierung und Anregung bieten.
In der aktuellen Folge spricht er mit Nana Göbel über die Geschichte der Waldorfbewegung und ihre Entwicklung bis in die Gegenwart. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart im Jahr 1919. Dabei richtet sich der Blick nicht allein auf Rudolf Steiner, sondern auch auf die Menschen, die seine pädagogischen Impulse in die Praxis umgesetzt haben. Wer waren diese Personen und welche Voraussetzungen waren für die Gründung der ersten Waldorfschule notwendig? Welche Aufgaben und Schwierigkeiten prägten die ersten Jahre? Und was lässt sich daraus für die Waldorfbewegung heute ableiten?
Die erste Waldorfschule sollte Kinder aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten gemeinsam unterrichten. Entgegen der hartnäckigen Erzählungen besuchten neben Kindern von Arbeiterinnen und Arbeitern der Waldorf-Astoria-Fabrik auch Kinder aus akademischen und wohlhabenden Familien die Schule. Das war durchaus gewollt, denn Steiners Idee bestand darin, Gemeinschaft und Toleranz durch alltägliche Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen während der Schulzeit zu fördern.
Dieser soziale Anspruch lässt sich besonders schwer verwirklichen, wenn politische und gesellschaftliche Bedingungen diese Werte unter Druck setzen. Wie gingen Waldorfschulen in der Zeit des Nationalsozialismus mit zunehmender Repression und dem Druck des NS-Regimes auf das Bildungswesen um? Nana Göbel beleuchtet die unterschiedlichen Entscheidungswege der damaligen Akteurinnen und Akteure und betont, wie schwierig es ist, Handlungsspielräume und Entscheidungen unter Bedingungen extremer Unterdrückung zu beurteilen.
Auch heute stehen Waldorfeinrichtungen weltweit vor großen Herausforderungen, insbesondere dort, wo Krieg, politische Repression oder schwierige soziale und wirtschaftliche Bedingungen herrschen. Aus ihrer langjährigen internationalen Arbeit berichtet Nana Göbel von Bildungsinitiativen etwa in der Ukraine, Myanmar, Israel und Palästina sowie von Schulen in Kolumbien, Südafrika und Kenia, die trotz großer Herausforderungen und Gefahren versuchen, Kindern ein gutes und geschütztes Lern- und Entwicklungsumfeld zu bieten. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Bedingungen für Waldorfpädagogik weltweit sind und welche Bedeutung Waldorfeinrichtungen gerade in Krisen und Konflikten für Kinder und ihre Gemeinschaften haben.
Zum Abschluss des Gesprächs richtet Nana Göbel den Blick auf die Aufgabe jeder einzelnen Lehrkraft: Kinder aufmerksam wahrzunehmen und ihnen mit echtem Interesse zu begegnen. Dabei hebt sie die Bedeutung von Initiative, Ehrlichkeit und Freude als grundlegende Haltung in der pädagogischen Arbeit hervor.
Die Podcastfolge „Who Really Built Waldorf Education?“ mit Nana Göbel ist auf YouTube und Spotify zu hören.

