Unser Team landete zuerst in Mandalay, um dort ein Training sowohl für pädagogische Fachkräfte als auch für Kinder durchzuführen. Die ehemalige königliche Hauptstadt befindet sich im Zentrum des Landes und damit unweit des Epizentrums des Erdbebens. Die Schäden sind auch über ein Jahr später noch vielerorts zu sehen.
Mit der lokalen Organisation ADORE Mental Health and Wellbeing hatten wir bereits im September letzten Jahres im Rahmen eines Einführungstrainings zusammengearbeitet. Die 15 Teilnehmenden hatten sich damals in ihren Rückmeldungen an uns eine Vertiefung der Themen gewünscht, was wir in unseren aktuellen Workshops berücksichtigten. Wir bauten dieses Mal auf theoretischen Inhalten des letzten Trainings zur Notfall- und Psychotraumatologie sowie auf praktischen Einheiten der Eurythmie, Kunst- und Erlebnispädagogik auf.
Mit knapp 50 Fachkräften und Ehrenamtlichen nahmen deutlich mehr Personen teil als beim letzten Training. Zusätzlich arbeiteten wir an zwei Vormittagen mit 30 Kindern einer Klosterschule, die das Erdbeben im vergangenen Jahr erlebt hatten. Die Kinder kommen außerdem zum Großteil aus den Kriegsgebieten. Ihre Eltern schickten sie nach Mandalay in diese Schule – in der großen Hoffnung auf Sicherheit und eine gute Zukunft.
In Gesprächen mit den erwachsenen Teilnehmenden wurde deutlich, dass sie wichtige Erkenntnisse für ihren beruflichen und privaten Alltag aus unserer gemeinsamen Arbeit mitgenommen hatten. Eine Teilnehmerin resümiert: „Es war für mich sehr aufschlussreich zu verstehen, wie man durch einfühlsames Verständnis und den Aufbau guter Beziehungen einen sicheren Raum schaffen kann.“ Eine andere fügt hinzu: „Bewegung und Rhythmus sind sehr nützliche Mittel, um Kindern, aber auch uns selbst zu helfen.“
Seit vielen Jahren verbindet uns eine enge Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Waldorfkindergärtner:innen aus verschiedenen Gegenden in Myanmar, die seit bis zu zwölf Jahren Kleinkinder in unterschiedlichen Projekten betreuen. Seit dem Erdbeben ist ihr Bedarf, Methoden der Traumabewältigung in ihre tägliche Arbeit zu integrieren, erheblich gestiegen. Nun konnten wir im Anschluss an unsere ersten Trainingstage 30 von ihnen südöstlich von Mandalay am Inle Lake treffen, um vier Tage intensiv mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Gleich am ersten Tag wurde deutlich, wie besonders die Workshops für einige der Teilnehmenden waren. Manche von ihnen reisten bis zu drei Tage an, hauptsächlich aus den umkämpften Gebieten im Norden des Landes. Diese Tage ohne Luftangriffe waren für sie eine große Erholung vom Alltag. Neben den Themen „Notfallpädagogik“ und „traumasensible Arbeit mit Kleinkindern“ behandelten wir schwerpunktmäßig das Thema „Selbstfürsorge“. Am Ende sagte eine Teilnehmerin: „In diesen vier Tagen ist alles Schwere aus meinem Körper verschwunden. Ich sehe wieder Licht und nehme viel an neuen Inhalten für mich persönlich und für meine Arbeit mit.“
Im Oktober 2026 ist ein weiterer Einsatz in Myanmar geplant, in dem wir an die Trainingsinhalte anknüpfen und das Gelernte weiter vertiefen möchten.
Lina Bäuerle

