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Kolumbien: Das Staunen erleben

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Zwischen Stadt und Land, in der Nähe von Cali, ist ein besonderer Bildungsort entstanden, der sich als pädagogisches Dorf versteht – getragen von der Waldorfpädagogik, von Gemeinschaftssinn und einer guten Verbindung zur Natur: Camino del Sol begleitet Kinder bis zum Alter von zehn Jahren und ihre Familien auf einem gemeinsamen Entwicklungsweg. Sandra Londoño ist Gründerin sowie pädagogische Leiterin des dortigen Waldorfkindergartens und berichtet uns von ihrer Arbeit:

Kinder einer Waldorfschule in Guatemala

Wenn ich an Camino del Sol denke, sehe ich mich als Hüterin der Menschen und der Prozesse, die diesen Ort als pädagogisches Dorf ausmachen – einen Raum, in dem die Reiche der Natur zusammenfließen und menschliche Begegnungen zu einer Möglichkeit werden, in Harmonie zu teilen, zu lernen und zu lehren. Spiel und Fantasie haben hier einen schöpferischen Platz, eingebettet in die tägliche Arbeit eines Landhauses.

Unsere täglichen Praktiken sind lebendiges Lernen. Wir bereiten Anbauflächen vor, versorgen Tiere, bauen ökologische Lernräume und fragen uns immer wieder, wie wir im Einklang mit der Natur wachsen können. Soziale Begegnungen, kulturelle Feste und Momente der Wiederverbindung mit der Natur sind stets präsent. In den alltäglichen Gesten – im Arbeiten, Begegnen und Innehalten – versuchen wir, das große Geheimnis zu berühren, das unsere Existenz trägt.

Wir legen Wert auf sinnvolle Tätigkeiten, auf das Erleben des Staunens und darauf, als Lernende Vertrauen zu entwickeln: Vertrauen in den Menschen, in die Pflanzen, in die Tiere, in die Erde. Indem wir gemeinsam und oft intuitiv voranschreiten, entdecken wir immer wieder neu, was es bedeutet, auf der Erde zu sein.

Ein besonderer Höhepunkt unserer Lerngemeinschaft ist das monatliche Familientreffen. Es ist der Moment, in dem wir gemeinsam gestalten, feiern, danken und zusammenleben. Unsere Bildungsgemeinschaft wächst vor allem durch gemeinsame Arbeitstage, in denen sich Verbundenheit und Verantwortung füreinander entwickeln.

Wir befinden uns in Cali, Kolumbien, auf einem 2,5 Hektar großen Grundstück zwischen Stadt und Land. Derzeit ist es gemietet, doch wir hoffen, es erwerben zu können, um unsere Aldea Pedagógica dauerhaft zu verankern und für weitere Familien zu öffnen. Ursprünglich als Zentrum für pädagogische und therapeutische Begleitung gegründet, entwickelte sich der Kindergarten zu einem Ort der Familienorientierung. Heute begleiten wir 47 Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren aus sehr unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen. Bald werden wir auch die Grundschule offiziell eröffnen.

Unser Team bringt Erfahrungen aus der Notfallpädagogik, Heilpädagogik, Kunsttherapie und anderen Bereichen mit. Wir lernen, Fülle zu schaffen, keine Angst vor Mangel zu haben und uns als sozialen Organismus zu verstehen. Derzeit suchen wir Unterstützung, um das Grundstück zu erwerben und es in einen Schulbauernhof mit biodynamischer Landwirtschaft zu verwandeln.

Sandra Londoño

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