Im Sommer sind die klimatischen Bedingungen in der patagonischen Andenregion durch hohe Temperaturen und ausbleibende Niederschläge gekennzeichnet. Zusätzlich trägt unter anderem die Absenkung des Grundwasserspiegels durch angepflanzte Kiefern dazu bei, dass Brände Jahr für Jahr weite Flächen zerstören; 2026 wurde ein Rekordwert von 45.000 Hektar verwüstet. Unser Team hatte bereits 2021 und 2025 zwei Einsätze in der Region durchgeführt und dabei jeweils Partnerschaften mit verschiedenen Akteur:innen, Bildungseinrichtungen sowie lokalen, kommunalen und staatlichen Katastrophenschutzorganisationen geschlossen.
Diesmal bildete die laufende Zusammenarbeit mit der öffentlichen Sekundarschule in Epuyén den Rahmen für unsere notfallpädagogischen Angebote und ermöglichte die Einbindung nicht nur der Schulgemeinschaft, sondern auch anderer interessierter Organisationen und Einzelpersonen. In der ersten Woche des Schuljahres, das Anfang März startete, haben wir Lehrkräfte, Mitarbeiter:innen und die Schulleitung unterstützt. Für Schülerinnen und Schüler der ersten drei Oberstufenklassen haben wir ab dem neunten Schultag ein separates Programm angeboten, um ihnen diesen Schuljahresanfang nach dem Brand auf vielfältige Weise zu erleichtern.
Bei den Erwachsenen lag der Schwerpunkt unserer Angebote darauf, die eigene Kraft wiederzuerlangen, um eine stabile und verlässliche Bezugsperson für die Kinder und Jugendlichen sein sowie einen sicheren Ort bieten zu können. Bei den Jugendlichen bestand unsere Hauptaufgabe darin, durch Spiele und künstlerische Aktivitäten Ausdrucks- und Teilnameprozesse in Gang zu setzen.
Nachmittags boten wir darüber hinaus Workshops und psychoedukative Angebote für Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit sowie Erziehung und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an. Am Wochenende organisierten wir ein exklusives Treffen für freiwillige Feuerbekämpfer:innen, um verschiedene Strategien der Psychohygiene, Stabilisierung sowie Selbstfürsorge und gegenseitige Fürsorge zu besprechen. Unser Einsatz fand seinen Abschluss in der Keksfabrik in Epuyén, wo wir einen notfallpädagogischen Workshop für die dort arbeitenden Jugendlichen und Erwachsenen durchführten. Mit dem Einsatz konnten insgesamt direkt 70 Erwachsene und 120 Jugendliche erreicht werden.
Die Einwohner:innen von Epuyen fühlen sich durch den Brand aus ihrem Heimatort vertrieben. Die meisten Äußerungen, die wir während unseres Einsatzes gehört haben, lassen erkennen, dass sie eine Katastrophe erleben, die auf vielfältige sozio-ökologische Ursachen zurückzuführen sind und nicht nur auf ein einzelnes Naturereignis, dessen Ursachen noch ungeklärt sind. Im Moment gilt die Sorge der Bewohner:innen dem Überleben und dem Widerstand angesichts der sich wiederholenden Katastrophe. Daher stellt die Bewältigung des Traumas in der Gemeinschaft – das wiederum in historische, generationenübergreifende Traumata eingebettet ist – eine große Herausforderung für die Notfallpädagogik dar.
In diesem Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart ist es vorrangig, junge Menschen zu begleiten, die nach ihrer Identität, Anerkennung und Zukunft suchen. Daher werden wir die Sekundarschule in den nächsten sechs Monaten weiterhin aus der Ferne mit pädagogischen und begleitenden Strategien für die Leitung der Schule, die Lehrkräfte, die Mitarbeiter:innen und Schüler:innen zu unterstützen.
Belén Saborit, Natalia Tomadoni, Patricia Carrizo, Yamila Frison

