Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal war nichts mehr wie vorher. Auch bei uns im Waldorfkindergarten Pusteblume spürten wir, wie tief so ein Ereignis in das Leben der Kinder, ihrer Familien und das der Pädagoginnen eingreift. Rituale, die sonst Halt gaben, trugen plötzlich nicht mehr. Vertraute Abläufe fühlten sich zerbrechlich an.
Die Notfallpädagoginnen und -pädagogen der Freunde der Erziehungskunst kamen genau dann, als Worte nicht mehr reichten. Mit einer Präsenz, die uns sofort Sicherheit gab, mit fachlicher Klarheit und einem tiefen Verständnis für unseren waldorfpädagogischen Alltag begleiteten sie uns immer wieder vom Sommer 2021 bis zum Ende des letzten Jahres.
Dabei ging es erst einmal vor allem nicht ums Erklären, sondern ums Tun: gemeinsam gärtnern, backen, malen, frei spielen. Tätigkeiten, die ordnen, die stabilisieren, die wieder Boden unter die Füße bringen. In der Zeit von Ende Juli bis Anfang September 2021, in der fünf notfallpädagogische Fachkräfte immer wieder bei uns waren, wurde unser Kindergarten für viele Kinder erneut zu einem geschützten Raum, in dem sie sich orientieren und einfach sein durften.
Auch uns als Team hat diese Begleitung getragen. Im Rahmen von zwei Fortbildungen im Juli und August 2022 entstanden neue Wege, vor allem im Umgang mit Kindern, die akut belastet oder traumatisiert waren. In insgesamt sieben Stunden besprachen wir ausführlich die Methoden der Notfall- und Traumapädagogik. Der pädagogische Alltag gewann dadurch spürbar an Ruhe und Sicherheit zurück. Von März bis Dezember 2025 begleitete uns schließlich noch eine Notfallpädagogin im Rahmen eines prozessorientierten Teamcoachings. Der Anlass waren personelle Wechsel im Team und Belastungen, die nicht so einfach verschwunden waren.
Die Eltern wurden ebenfalls von Anfang an miteinbezogen – etwa bei einem Elternabend zur Bedeutung der Sinne für die kindliche Entwicklung. Viele haben uns rückgemeldet, wie nachhaltig diese Impulse wirkten und wie sehr sie geholfen haben, auch zu Hause bewusste Räume für ihre Kinder zu schaffen.
Als Waldorfkindergarten Pusteblume sind wir zutiefst dankbar für diese Unterstützung. Sie hat uns nicht die Verantwortung abgenommen – aber sie hat uns befähigt, wieder handlungsfähig zu werden und unsere eigene pädagogische Sicherheit wiederzufinden. Die Zusammenarbeit mit den Freunden der Erziehungskunst hat uns getragen, gestärkt und einen zuversichtlichen Blick nach vorne geschenkt. Dafür sind wir von Herzen dankbar.
Oliver Bollig

