Port au Prince ist eine Hauptstadt aus Eisen und Beton; eine Hauptstadt, die die Kolonisierung und die Sklaverei widerspiegelt und die Haitianer dazu zwingt, es den Weißen um jeden Preis gleichzutun. Sie ist eine Hauptstadt, die Zeugnis ist von Kapitalismus und Materialismus, die Natur und Mensch für immer voneinander trennen.
Aber was ist mit den „peyi an dewo“, den Bewohner:innen des Landes?
Wie ihr kreolischer Name schon sagt, sind sie „immer draußen“ und außerhalb dieser kapitalistischen Vision. Sie leben in einer Landschaft, die bei dem schweren Erdbeben nicht zerstört wurde – kein Baum ist entwurzelt worden. Es sind der Beton und das Eisen des Kapitals, die zerstört worden sind und sich „außerhalb des Lebens“ befinden. Das Land hat genauso wie zur Zeit der Unabhängigkeitsrevolution einmal mehr als Zufluchtsort gedient.
Und was ist heute?
Immer mehr Menschen werden sich über ein freies Leben auf dem Land bewusst; ein Leben ohne Abhängigkeit von den westlichen Produkten im Supermarkt. So werden viele verlassene Flächen wieder bewirtschaftet. Heute bauen wir in der École du Village Cécile Fatima mehr denn je Reis, Mais und andere Lebensmittel ohne Düngemittel oder chemische Behandlungen an, um den Kindern und allen Erwachsenen, die in der Schule arbeiten, gesunde und lokale Mahlzeiten zu ermöglichen.
In diesem Jahr hat sich die Zahl der Schüler:innen fast verdoppelt. Wir haben 70 Kinder in den Kindergärten und etwa 80 in der Grund- und Sekundarschule, die aus neun Klassen besteht. Und noch eine gute Nachricht: Im Juni haben wir im Rahmen des Abschlussfestes unseren neuen Raum für Veranstaltungen eröffnet. Er wurde auf dem Dach der Schule von einem starken und fröhlichen Team gebaut.
In der Schule arbeiten zudem neue Lehrkräfte, darunter William, ein Maler und Schuhmacher aus Jacmel. Er unterrichtet zur großen Freude der Kinder mit Begeisterung das Zeichnen, Malen und Lederarbeiten. „Seit ich in der École du Village Cécile Fatima bin“, sagt er, „habe ich endlich den Wert meiner Arbeit, meiner Kultur und auch meiner persönlichen Qualitäten erkannt – dank des Interesses, das mir entgegengebracht wird und der Freude der Kinder!“
Pierre unterrichtet bereits seit vielen Jahren Sozialwissenschaften an „angesehenen“ Schulen in Les Cayes. Er ist seit Beginn des Jahres bei uns Lehrer. Bei seinem ersten Vorstellungsgespräch, nachdem er sich über unsere Lehrmethoden informiert hatte, sagte er uns: „Ich suchte eine zusätzliche Stelle, weil ich zur Zeit dringend auf ein höheres Einkommen angewiesen bin. Nachdem ich Sie und Ihre Lehrmethoden kennengelernt habe, bin ich mir sicher, dass ich, als es mir noch möglich war, auch als Freiwilliger bei einem so wunderbaren Projekt im Herzen meiner Gemeinschaft geholfen hätte. Ich bedaure, dass ich nicht früher gekommen bin.“
Viele unserer neuen Schülerinnen und Schüler haben sich wegen der Vielfalt der Kurse und Fächer für unsere Schule entschieden. Romilot, einer unserer ehemaligen Schüler, sagte eines Tages zu mir: „Alles, was wir von Anfang in dieser Schule erlebt haben, hat mir die Kraft gegeben, die heute in mir steckt. Seit ich an einer anderen Schule bin, wird mir immer wieder bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann, meine jungen Jahre bis zum Alter von 14 Jahren in dieser Schule verbracht zu haben. Und wie sehr all die Aktivitäten wie Zeichnen, Malen, Geschichte, Mythologie, Geometrie, Theater, Spaziergänge, Beobachtung von Pflanzen, Mineralien und Tieren tiefe Bindungen zwischen uns in der Klassen- und Schulgemeinschaft geschaffen haben. Niemand wurde verachtet oder benachteiligt. Meine Sorge ist, dass in der heutigen Zeit viele Kinder nicht die Möglichkeit haben, sich selbst zu finden, zu bilden und zu stärken, wie ich es an meiner Schule tun durfte. Angesichts des Zustands des Landes und der Welt brauchen die Kinder das mehr denn je.“ Seit diesem Tag kommt Romilot, der das Gymnasium in Torbeck besucht, jeden Nachmittag, um mit den Schülerinnen und Schülern Aktivitäten zu unternehmen. Sie begannen mit einem Spaziergang am Meer und stellten fest, wie sehr Plastikmüll die Strände verschmutzt. Natürlich sind sie alle daran gewöhnt und leider ist es für sie fast schon normal geworden. Aber Romilot hat sie dafür sensibilisiert und aus den am Strand gesammelten Flaschen gemeinsam mit ihnen Mülleimer für den Schulhof gebaut. Er war erstaunt über die Nachlässigkeit der Menschen, die den Müll nicht aufsammeln. Nach meinem Eingreifen hat er verstanden, dass niemand etwas weitergeben kann, was er selbst nicht erhalten hat. Zu unserer großen Freude erklärte er: „Nun, was ich glücklicherweise erhalten durfte, werde ich weitergeben.“
Zwei unserer ehemaligen Schülerinnen helfen uns außerdem ehrenamtlich bei der Gartenarbeit und die Jugendlichen der Schule nehmen sich ihre Rolle als Hüter des Geländes zu Herzen, wobei jede und jeder auf seiner und ihrer Ebene Verantwortung übernimmt und ihren und seinen Platz in der Schule findet. In den Sommerferien haben die Jugendlichen zum zweiten Mal das traditionelle Makaya-Camp betreut und organisiert. Etwa dreißig Kinder haben daran teilgenommen, von denen viele nicht unsere Schüler:innen waren. Dies zeigt, dass wir durch unsere Einzigartigkeit eine große Anzahl von Kindern erreichen, die etwas entdecken, was sie sonst nirgendwo finden würden. Der Samen ist gesät, der Baum wächst und unsere Arbeit trägt bereits vielversprechende Knospen.
Die École du Village Cécile Fatima ist dringend auf Ihre Hilfe angewiesen. Hier haben Sie die Möglichkeit, schnell und unkompliziert zum Beispiel eine regelmäßige monatliche Unterstützung einzurichten: Spende für École du Village

