Vom 01. bis zum 05.07.23 führte ein achtköpfiges Team der Freunde der Erziehungskunst in Kyiv ein Einführungsseminar in Notfall- und Traumapädagogik für 93 Menschen in pädagogisch-therapeutischen Berufen durch. Gastgeber des Seminars waren das ukrainische Kulturministerium, der Ukrainische Verband der Kunsttherapeuten und die Organisation Europa GrenzenLos e.V.
70 Sozialarbeiter:innen, Psycholog:innen, Lehrer:innen und pädagogisch-therapeutisch tätige Künstler:innen aus der ganzen Ukraine haben sich über fünf Tage theoretisch und praktisch in Notfall- und Traumapädagogik fortgebildet. Die Seminartagen wechselten zwischen theoretischen Seminareinheiten zu Psychotraumatologie, Traumapädagogik und Selbstfürsorge und praktischen Workshops zu Malen/Formenzeichen, Musik/Rhythmus, Eurythmie/Bewegung und Plastizieren/Arbeiten mit Ton.
Parallel fand eine Fortbildung für 23 Kunsttherapeut:innen des Ukrainischen Verbands der Kunsttherapeut:innen statt, mit einem stärkeren Fokus auf die kunsttherapeutische Arbeit. Auch hier wechselten sich Theorie und Praxis ab.
Die aktuelle Situation in der Ukraine ist für alle von großen Herausforderungen und schweren Schicksalsschlägen geprägt. Für Menschen, die in pädagogisch-therapeutischen Kontexten arbeiten, ist die Situation besonders kräfteraubend. So war die allgemeine Rückmeldung, dass die Tage wie ein ‚kleiner Urlaub‘ voller Information, Inspiration und Selbstfürsorge wahrgenommen wurden, besonders bewegend. Die eigenen Ressourcen wiederfinden, mobilisieren und Kraft schöpfen für die weitere Arbeit und allgemein das Leben ist vielleicht die wichtigste Unterstützung, die man den Menschen aktuell geben kann.
Die Arbeitsrealitäten der Teilnehmer:innen sind sehr unterschiedlich. Manche arbeiten in Schulen, andere in sozialen Einrichtungen, andere in Lagern. Für manche ist es die tägliche Arbeit mit Kindern in den umkämpften Regionen, häufig auch nachts in Schutzbunkern. Andere unterstützen binnenvertriebene Familien in den etwas sicheren Regionen. Was alle jedoch gemeinsam haben: akute traumatische Erfahrungen, oft den Verlust von Familienangehörigen und Freunde:innen, häufig auch der Verlust der Heimat.
Auch die Arbeit der Notfallpädagogik von den Freunden der Erziehungskunst geht vor Ort in der Ukraine weiter. Im August und September stehen zwei weitere Fortbildungseinsätze für je 60 Teilnehmer:innen an sowie der Abschluss der aus acht Modulen bestehenden Ausbildung in Notfall- und Traumapädagogik in Lviv und Krakau, die im November 2022 begonnen hatte. Im Herbst 2023 sollen weitere Ausbildungen in Notfall- und Traumapädagogik beginnen und lokale Partnerorganisationen darin unterstützt werden, traumapädagogisch mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu arbeiten.

