Ein internationales Team der Freunde, bestehend aus sieben türkischen, drei deutschen und zwei irakischen Notfallpädagog:innen, arbeitet seit dem 24. Juni in deinem Dorf in der Provinz Hatay. „Die Zerstörung in der Region ist sehr deutlich“, berichtet Einsatzleiterin Fiona Bay, „einige Bereiche sind bereits aufgeräumt, aber Trümmer bestimmen noch immer das Gesamtbild.“ Viele Menschen leben in Zelten - manchmal direkt vor ihren zerstörten Häusern. Die Schule des Dorfes ist seit dem Erdbeben geschlossen. Das Team arbeitet hier vormittags mit 30 bis 50 Kindern in der Schule. „Wir merken, dass die Kinder viel mit Albträumen zu kämpfen haben“, sagt Bay, „es gibt auch jetzt häufig Beben, die zwar sehr klein sind, aber ständige Trigger darstellen.“ Die notfallpädagogische Arbeit tut den Kindern gut: „Sie sind hungrig nach Aktivitäten, gemeinsamen Spielen und Singen. Sie fragen nach Hausaufgaben, haben richtig Lust, aktiv zu sein und etwas zu lernen.“ Die Kinder finden sich schnell in den Rhythmus ein, wissen, welche Lieder mit welchen Aktivitäten verbunden sind, übernehmen diese Strukturen auch, wenn das Team nicht vor Ort ist.
Neben der Arbeit mit den Schulkindern bietet das Team auch Elternarbeit und eine Kleinkindgruppe an. Die Elternarbeit beinhaltet Psychoedukation zu Trauma- und Trauerarbeit und zur Stabilisierung, Körperarbeit und die Möglichkeit, sich künstlerisch auszudrücken. Der Bedarf bei den Teilnehmenden ist groß. Alle haben Kinder, Enkel oder andere nahe Verwandte durch das Erdbeben verloren – oft nach Tagen der Ungewissheit, denn die Bergung der Opfer dauerte oft Tage, einige wurden sogar bis heute nicht gefunden. Hinzu kommt für viele die Erkenntnis, dass es noch lange dauern wird, bis wieder Normalität einkehrt. Ein Gefühl der Aussichtslosigkeit macht sich bei vielen breit, auch mit Blick auf den Herbst und Winter, den viele auch bei niedrigen Temperaturen noch in Zeltunterkünften werden verbringen müssen.
Auch bei einer Fortbildung für etwa 35 Pädagog:innen, die in Schulen und Kindergärten arbeiten, zeigte sich die Dringlichkeit der Arbeit. Die Teilnehmenden meldeten zurück, dass sie gerne regelmäßig solche Angebote wahrnehmen würden. „Sie wünschen sich Input, der ihnen im Umgang mit den Kindern hilft“, berichtet Einsatzleiterin Fiona Bay. Der Wunsch ist verständlich, denn: „Die Teilnehmenden sind selbst Überlebende, die durch das Erdbeben nahe Verwandte und Bezugspersonen verloren haben.“
Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich des aktuellen Teams in der Türkei ist der Aufbau lokaler Strukturen, so dass die Arbeit vor Ort unabhängig und selbstständig fortgeführt werden kann.

